Iris Geschichte

In der jetzigen, schwierigen Zeit (Bewohnerinnen und Bewohner dürfen keinen Besuch empfangen usw.) überlegen wir, was wir machen können?

Ich habe mit Einverständnis des Leitungsteams alte DVD Filme bestellt und wir bieten Filmnachmittage an mit Knabbereien und leckeren Getränken. Von Heinz Rühmann bis Immenhof ist alles dabei und unseren Bewohnerinnen und Bewohnern macht es Spaß. Sätze wie: „Da komm ich mir vor wie im Kino“, oder „wie schön, die sind aus unserer Zeit“ fallen immer wieder.
Bei einer Bewohnerin entwickelte sich ein sehr schönes Gespräch. Sie meinte: „den Film hab‘ ich mit meinem Mann im Kino gesehen“. Sie erzählte mir von früher als es nicht so einfach war ins Kino zu gehen. Sie haben immer ihr Geld zusammengelegt, um einen Film anschauen zu können. Es war sehr schön mit ihr zu reden, sie lächelte dabei oft in Gedanken versunken.

Bei uns gibt es die Regel, dass wenn eine Bewohnerin oder ein Bewohner, egal aus welchem Grund, im Krankenhaus oder beim Arzt außer Haus war, sie/er 14 Tage in Quarantäne bleiben muss. Ihr könnt Euch sicher vorstellen wie es diesen Bewohnern geht. Wenn ich zur Arbeit komme, gehe ich im Garten an Flieder und anderen Blumen vorbei und pflücke einen kleinen „Quarantäne-Frühlingsstrauß“ und bringe ihn den betroffenen Bewohnern in ihre Zimmer. Die Freude darüber ist sehr groß! Wenn ich später am Tag in die Zimmer komme, werde ich nochmal darauf angesprochen wie schön der Flieder ist und wie gut er riechen würde. Da geht mir das Herz auf und ich denke, was für eine Kleinigkeit, die noch nicht mal was kostet und so viel Freude machen kann. Ich gehe an diesen Tagen ebenfalls glücklich nach Hause. Übrigens, wenn ich heute Nachmittag zum Dienst gehe, nehme ich Pfingstrosen aus meinem Garten mit!! Freue mich schon auf die Reaktion.

Wir bekommen (wie viele Heime) auch Briefe von Nachbarn, Kindern und Erwachsenen. Ich lese diese den Bewohnerinnen und Bewohnern vor. Vor Kurzem bekamen wir einen Brief von einem Jungen (11 Jahre alt). Er machte unseren Bewohnerinnen und Bewohnern Mut durchzuhalten, denn er wisse wie das ist, in Quarantäne zu sein. Nach 6 Herz-OP´s, nur mit seiner Mama in einem kleinen Zimmer! Er hat den Brief so liebevoll geschrieben, dass ich beim Vorlesen schlucken musste. Als ich aufsah, liefen 3 meiner zuhörenden Damen die Tränen, sodass auch ich mich nicht mehr zurückhalten konnte. Es war ein Augenblick mit so viel Emotionen! Wir sind dann übereingekommen, dass es uns, die wir in der Gemeinschaft zusammensitzen dürfen, trotz Quarantäne noch gut geht. Wir wollten ihm zurückschreiben, hatten aber keine Adresse. Der Brief ist allen lange im Gedächtnis geblieben! Letztens fragte mich eine der Damen ob sich der Junge nochmal gemeldet hätte. Das musste ich aber leider verneinen!